Gentleman's Instrument

Der Aufstieg des Cellos als Solo-Instrument


Im 18. Jahrhundert erlangte das Cello in ganz Europa, vor allem aber in England, eine Art aristokratischen Status und wurde nach der Gambe und der Querflöte zum bevorzugten "Gentleman's Instrument". Trotz dieser Entwicklung fehlte es auf den Britischen Inseln an einheimischen professionellen Cellisten, um die Nachfrage nach dem populär gewordenen Instrument zu befriedigen. Dieser Umstand machte die Britischen Inseln zu einem wichtigen Hotspot für das Cello, und in der Folge diente London als Magnet für die talentiertesten Cellisten Europas. Diese Entwicklung hatte eine transformative Wirkung auf das aufgeführte und veröffentlichte Repertoire des Instruments.

In anderen Teilen Europas nahm die Gattung der Cellosonate bereits Ende des 17. Jahrhunderts Gestalt an. Die Idee des Cellos als Soloinstrument entstand in Italien dank Giovanni Battista degli Antonii (1636-1698), Domenico Galli (1649-1697), Domenico Gabrielli (1651/1659-1690) und Petronio Franceschini (1651-1681), wo es schnell seinen Platz als Solo- und Kammermusikinstrument weit über der Gambe etablierte, und die Fortentwickelung im 18. Jahrhundert u.a. dank Giovanni Bononcini (1670-1747) und später Luigi Boccherini (1743-1805). 

Die dauerhafte Niederlassung italienischer Cellisten in Großbritannien begann 1700 mit der Ankunft von Nicola Haym aus Rom, dann 1714 mit der Ankunft von Charles Pardini und später 1715 mit Filippo Amadei ("Pippo"). Bis 1730 gab es auch einige flüchtige Besuche in London und manchmal in den Provinzen von italienischen Cellisten, die "zwischen den Posten" oder bei toleranten Arbeitgebern tätig waren, wie z.B. Fortunato Chelleri in den Jahren 1727 und 1728, und nicht zu vergessen Persönlichkeiten wie Giovanni Bononcini oder auch Nicola Porpora, die von Haus aus Cellisten waren, aber das Schreiben für ihr Instrument (außer im privaten Bereich) vernachlässigten, da sie sich hauptsächlich mit Gesangs- oder Opernmusik beschäftigten. 

Vor allem in England markieren die 1730er Jahre einen Wendepunkt für das Instrument und den Durchbruch des Cellos sowohl als Soloinstrument als auch als Instrument, das von Amateuren erlernt werden kann. Um sich als "Gentleman's Instrument" zu etablieren, benötigte das Cello - wie zuvor schon die Violine, die Gambe, die Blockflöte und die Querflöte - ein Repertoire, das für den Spieler gut klang und angenehm zu spielen war. In dieser Zeit brachte der Verleger John Walsh die erste britische Ausgabe der Cellosonaten von Benedetto Marcello heraus. Jedoch am bedeutsamsten für diese Entwicklung war die Tatsache, dass Frederick Louis, Prinz von Wales, 1732 begann Cellounterricht zu nehmen. Denn damit wurde er ein Vorbild für unzählige andere (Gentlemen-) Liebhaber des Cellos, die ihn bald leidenschaftlich nachahmen würden.

Am 5. Mai 1732 verblüffte Pasquale de Marzis, der erste einer langen Reihe meist italienischer Cellisten, die sich auf das Solorepertoire spezialisierten, sein Publikum bei einem Solo-Konzert im Hickford's Great Room in London. Als nächster Virtuose kam 1733 der neapolitanische Cellist Salvatore Lanzetti, der sich vom Dienst des Königs von Sardinien in Turin beurlaubt hatte; ihm folgte Andrea Caporale, der Händels bevorzugter Cellist wurde. 1736 kam Joseph Dall'Abaco vom Hof des Kurfürsten von Köln in Bonn, verlängerte seinen Aufenthalt bis mindestens Ende 1737 und verbrachte den letzten Teil seiner Zeit in York, wo er dem dortigen Musikverein, der Musick Assembly, unterstützte. Auch der Cellist und Theoretiker Giorgio Antoniotto kam wahrscheinlich zur gleichen Zeit nach London. Besonders erwähnenswert ist Giacobo Basevi detto Cervetto, der vermutlich einflussreichste und exzentrischste Cellist der damaligen Zeit, der etwa um 1738 nach London kam und maßgeblich zur Popularisierung des Instruments beitrug. 

Viele ausländische Musiker bevorzugten London wegen des liberaleren Wirtschaftsmodells, in dem die Musiker frei wählen konnten, wo und wie sie arbeiten bzw. wieviel Engagements sie annehmen wollten. Dieses System unterschied sich stark von dem in anderen Teilen Europas, bei dem Musiker oft nur einem einzigen Gönner dienten und zudem eine Erlaubnis benötigten, um andere Beschäftigungsverhältnisse zu finden. London war ein pulsierendes Zentrum sowohl in kultureller als auch wirtschaftlicher Hinsicht. Besonders für Musiker war England ein sehr lukratives Ziel, denn das Musikleben war äußerst vielfältig, und die Gönner waren außergewöhnlich großzügig.

Englands Vorliebe für den italienischen Stil gipfelte in einer umfangreichen Produktion von Cellomusik, die in einem einzigartigen spätbarocken und vorklassischen Stil geschrieben wurde. Eine Musik, in der barocke Verzierungen, Dissonanzen und Emotionalität zelebriert wurden anstatt sich dem Geschmack der klassischen Ära zu beugen, der sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts immer mehr durchsetzte. Zweifelsohne führte diese Hybridisierung italienischer und englischer Stile zu einem einzigartigen Cellorepertoire, das in der Musikgeschichte eine Sonderstellung einnimmt.

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A "Gentleman's Instrument" Project


Eines meiner Lebens-Projekte ist es, eine beträchtliche Anzahl von Werken aufzuführen oder aufzunehmen, die von den folgenden bekannten italienischen Cellisten, die die meiste Zeit oder einen Teil ihres Lebens auf den Britischen Inseln verbrachten, komponiert wurden:

Giorgio Antoniotto (1680-1766)
Giovanni Bononcini (1670-1747) 
Andrea Caporale (1700-1758)
Giacobo Basevi detto Cervetto (1680-1783)
Gaspare Chiabrano (1725-1800)
Giovanni Battista Cirri (1724-1808)
Giuseppe Dall'Abaco (1710-1805)
Stefano Galeotti (1723-1790)
Carlo Graziani (1710-1787)
Nicola Francesco Haym (1678-1729)
Salvatore Lanzetti (1710-1780)
Alexis Magito (1711-1773)
Pasqualino de Marzis (?-1766)
Emanel Siprutini (1730-1790)
Francesco Zappa (1717-1803)