Filmprojekt

Szenischer Aufriss des Filmbeginns:


Es ist Dienstagvormittag, der 14. Januar 1783. 


John Tayler (1757-1802), ein in London zur damaligen Zeit sehr bekannter Theaterkritiker von The General Evening Post, ist auf dem Weg zum Friburg’s Snuff-Shop, einem berühmten Londoner Schnupftabakladen in der Haymarket 34 im Stadtteil St. James, Westminster, um sich dort mit frischem Schnupftabak einzudecken. Er trifft bei der Gelegenheit auf Cervettos Vermieter, den Ladenbesitzer Peter Fribourg. Beide vernehmen sie Celloklänge aus Richtung der über dem Laden befindlichen Wohnung von Cervetto und kommen, inspiriert von der Musik, über den Musiker und Komponisten ins Gespräch. Vor allem bewundern sie, in welch hohem Alter er zu solch künstlerischen Leistungen noch fähig ist. Derart inspiriert, erinnert sich Taylor daran, dass er ihn noch im letzten Sommer live in Vauxhall, einem Londoner Vergnügungspark, beim Musizieren erlebte. 


Allmählich bemerken sie, dass das Cellospiel von Cervetto immer größere Unterbrechungen aufweist, und sie vermeinen zwischendurch sogar sein Stöhnen vernommen zu haben. Sie stutzen zunächst und sind erschrocken, als es von oben so klingt, dass Cervetto vom Stuhl gestürzt und sein Cello daneben gefallen wäre. Daher eilen sie die Treppen hoch, um nachzuschauen, was passiert ist.


Als sie die Wohnung betreten, sehen sie die Bescherung: Cervetto ist tot.


Die beiden Augenzeugen kehren nach unten in den Laden zurück und beratschlagen, was als erstes zu tun sei. Sie beschließen James, den Sohn von Cervetto, umgehend vom Tod des Vaters zu benachrichtigen. In dem Moment vernehmen sie erneut Cellomusik von oben, obgleich sie wissen, dass Cervetto tot ist. Verblüfft fragen sie sich: Wer sollte dort, statt des toten Cervettos, sonst noch musizieren?


Sie gehen also erneut die Treppe hinauf und hören währenddem diegleiche Cellomusik.


Oben angelangt, setzt die Musik aus – und außer dem toten Cervetto ist keiner weiter da.


Was die beiden Augenzeugen – im Gegensatz zum Zuschauer – nicht erfahren, ist Cervettos Stimme, die sich plötzlich (ausschließlich dem Zuschauer!) manifestiert: Die Kamera blickt von oben auf den toten Körper Cervettos, währenddem sich seine Stimme (als „Geist“) voll Verwunderung und Verlorenheit zu verselbständigen beginnt.


 

Einige Filmfiguren:

Thomas King (1730-1805), der Theaterleiter des Drury Lane Theatre, dem Cervetto Zeit seines Lebens beruflich verbunden war, erfährt als einer der ersten vom Tod seines hochgeschätzten Künstlerkollegen und beschließt, in seinem Theater sowohl eine Totenwache für den Verstorbenen zu halten als auch ein Gedenkkonzert zu seinen Ehren zu veranstalten.

Naphthali "Nathan" Basevi (1738-1808), ein jüdischstämmiger Cousin des Verstorbenen, ist Händler und zudem Präsident des Vorstands der Britischen Juden. Nach der Geburt von James lässt Cervetto aufgrund seiner eigenen Assimilation alle bisherigen Verbindungen zu seinem Cousin und insbesondere zu den Britischen Juden allmählich einschlafen, um seine eigene jüdische Vergangenheit gegenüber dem Sohn verbergen zu wollen. 


Joseph Jessurum Rodrigues Salvador (1716-1786) gilt als der prominenteste Jude zur Zeit der Filmhandlung; er und „Nathan“ Basevi versuchen James, den Sohn des Verstorbenen, dahingehend zu beeinflussen, dass sein Vater Cervetto, aufgrund seiner jüdischen Herkunft, traditionell nach jüdischem Brauch bestattet werden soll. 


Sophia Lindley (* 1744) ist die uneheliche Tochter von Cervetto und seiner ersten Lebensgefährtin, der Sopranistin und Cembalistin Mary Lindley


Elisabeth Jones (* 1728) ist die Tochter eines Sklavenhändlers aus Bristol, die als 17jährige aus ihrer Geburtsstadt nach London flieht, um dort unabhängig von ihrem verhassten Vater und ihrer noch mehr verhassten Stiefmutter ein eigenständiges und künstlerisches Leben führen zu können. Cervetto, der sie hier als Straßensängerin entdeckt, verschafft ihr ein erfolgreiches Debüt als Sängerin und Schauspielerin am Drury Lane Theatre. Zwischen den beiden entsteht eine Liebesgeschichte, aus der James Cervetto (* 1747) als unehelicher Sohn hervorgeht. 


Mary Lindley, die Mutter von Cervettos unehelicher Tochter Sophia, hasst Elisabeth als Konkurrentin und setzt daher alles Mögliche in Bewegung, um die Verbindung zwischen Elisabeth und Cervetto zu zerstören. Als große Intrigantin nimmt sie Kontakt zu Elisabeths Vater auf, um ihn über den derzeitigen Aufenthaltsort und die Beziehung seiner Tochter aufzuklären. Der Vater beschließt darauf die eigene Tochter (ohne ihren unehelichen Sohn James!) aus London zurück nach Bristol entführen zu lassen, um mit ihr nach South Carolina, wo er seine Sklavenhändlergeschäfte noch profitabler führen will, auszuwandern. 

[ Forts. folgt. ]